Entwicklung eines Förderkonzeptes

Das Schulprogramm in seiner Fassung vom November 05 weist bereits alle übergeordneten Ziele aus, die seit vielen Jahren Grundlage der Förderarbeit an unserer Schule sind und benennt die Bereiche, in denen diese Förderung stattfindet. Die vielen Förderbausteine zu einem systematischen Konzept zu verknüpfen und den jeweiligen Erfolg der Maßnahmen zu evaluieren, war und ist eine Aufgabe, die wir uns seit der Konferenz im März 2005 gestellt haben.

Wir meinen mit „Förderung“ die individuelle Entwicklungsförderung der Kinder und Jugendlichen und die Förderung der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Akzeptanz von Schülerinnen und Schülern. „Individuelle Entwicklungsförderung“ schließt sowohl die Arbeit an Defiziten als auch an persönlichen Stärken der SuS ein und impliziert ebenfalls die Förderung von SuS mit Behinderungen. Damit ist nicht nur die fachliche Förderung zur Erreichung der in den Kernlehrplänen festgelegten Kompetenzen gemeint, sondern auch die Entwicklung der Selbstkompetenz, wie im Schulprogramm unter den Überschriften „Ich-Stärkung“ und „Berufsorientierung“ beschrieben. Der Bereich „Berufsorientierung“ steht bewusst unter dem Ziel „Entwicklung der Selbstkompetenz“, da er sehr viel mehr beinhaltet als die Vermittlung fachlichen Wissens über Berufsbereiche, Anforderungsprofile bestimmter Berufe etc.

Die Förderung der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Akzeptanz von Schülerinnen und Schülern haben wir noch einmal gesondert als Ziel ausgewiesen (vgl. z.B. das Kapitel „Schulkodex“ im Schulprogramm), obwohl die Entwicklung der Sozialkompetenz auch ein individuelles Lernziel ist. Damit wollen wir deutlich machen, dass individuelle Lernerfolge nur in einem gedeihlichen Lernklima möglich sind und zu wesentlichen Anteilen auch von den Arbeitsprozessen bestimmt werden, die in der jeweiligen Lerngruppe möglich sind.

Zwei Drittel unserer Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund, und im überwiegenden Teil dieser Familien wird zu Hause eine Mischung aus der Muttersprache und Deutsch gesprochen. Der größte Teil der Schüler ist in keinem Sprachsystem wirklich sicher. Es gibt große Defizite im grammatischen Gebrauch, aber auch im Bereich des Wortschatzes. Das bedeutet, dass aller Unterricht gleichzeitig auch Sprachunterricht ist (s. Schulprogramm S. 29 – 36).

Wohl wissend, dass wir hundert Dinge gleichzeitig tun und mindestens eine Ganztagsschule sein müssten, um unsere Schülerinnen und Schüler so zu fördern, dass ihre Benachteiligung auch nur annähernd ausgeglichen würde, die durch ihre soziale Zugehörigkeit, das selektive Schulsystem und mangelndes Engagement der Wirtschaft bei der Bereitstellung von Ausbildungsplätzen besteht, haben wir uns 2005 aus dem umfangreichen Thema "Entwicklung der Sprachkompetenz" ein Förderziel gesteckt, das nach Einschätzung aller Gremien vorrangig war: die Verbesserung der Lesekompetenz. Jeweils zu Beginn des Schuljahres wurden in den Jahrgangsstufenkonferenzen die Teilziele und die Indikatoren zur Leistungsüberprüfung festgelegt. Zum Ende des zweiten Halbjahres wurden die Ergebnisse der Evaluation in der Lehrerkonferenz vorgestellt, diskutiert und Beschlüsse zur Weiterarbeit gefasst.

In der Konferenz am 08.05.07 zeigte sich, dass in allen Stufen Fortschritte beim Textverständnis festgestellt wurden und die Methodenkompetenz im Umgang mit Texten deutlich zugenommen hatte. Als größtes Problem wurde übereinstimmend die Schwierigkeit der SuS beschrieben, Textinhalte mit eigenen Worten wiederzugeben, weil abgesehen von syntaktischen Fehlern vor allem häufig der passende Wortschatz fehlt. Daher wurden für die Weiterarbeit im Schuljahr 07/08 folgende Beschlüsse gefasst:

·          in allen Fächern wird systematisch Wortschatzarbeit betrieben, indem zum jeweiligen Thema wichtige Lernwörter in einem persönlichen „Wörterbuch“ festgehalten werden

·          in einer Konferenz zu Beginn des Schuljahres werden von den Deutsch-Fachkollegen Methoden zur Wortschatzarbeit vorgestellt

·          in den Jahrgangsstufenkonferenzen werden die Indikatoren für die Evaluation festgelegt

Außerdem wurde in dieser Konferenz diskutiert, wie wir die gesamten Förderstunden besser systematisieren können, welches Zeitraster dafür gewählt werden könnte, wie die Zuweisungskriterien für die SuS festgelegt werden könnten und wie wir die Arbeit evaluieren können.

Aus der Ideenvielfalt kristallisierten sich einige pragmatische Ansätze für die Entwicklung des Förderkonzeptes heraus und wurden als Minimalziele festgelegt:

·          aller Unterricht wird zumindest in Doppelstunden erteilt, um das 45-Minutenraster, das nur Lernhäppchen erlaubt, auszuweiten

·          eine Arbeitsgruppe überprüft, ob andere Stundenraster für uns möglich und sinnvoll wären

·          um die Lust an eigenverantwortlichem Lernen zu steigern, fertigen die SuS eine Arbeit pro Halbjahr zu einem selbst gewählten Thema an

·          zum Aspekt „Stärkung der Selbstkompetenz“ findet mindestens ein jahrgangsübergreifender Projekttag im Halbjahr statt

·          wir legen fest, welche Förderziele entsprechend der im Schulprogramm festgelegten Grobziele am Ende der Doppeljahrgangsstufen jeweils erreicht sein sollten und an welchen Fördermaßnahmen ein Schüler während seiner Schulzeit an unserer Schule teilgenommen haben sollte. Eine Arbeitsgruppe legt bis zu den Herbstferien erste Vorschläge dazu vor

·          zum Nachweis darüber könnten die SuS ein Portfolio führen.

Monika Kietzmann (Juli 2007)